Matthias Bitzer / Shannon Bool / Natalie Czech / Benedikt Hipp
Düsseldorf, 16.01.2015 - 28.02.2015
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Pressemitteilung
In Korrespondenz zu unserer Hauptausstellung mit Vlassis Caniaris (1928-2011) zeigen wir eine Gruppe junger Künstler unserer Galerie. Die Verbindung von kunsthistorischen mit jungen Positionen in der Kunst ist seit mehreren Jahren charakteristisch für unser Galerieprogramm dessen Ursprünge in jungen Positionen wie Shannon Bool (CA 1972), Matthias Bitzer (DE 1975), Natalie Czech (DE 1976)und Benedikt Hipp (DE 1977) liegen.

Matthias Bitzer

Matthias Bitzer (DE 1975) zeigt bis Juni 2015 seine Installation im K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf in der Reihe "Künstlerräume". Seine Arbeiten werden in internationalen Ausstellungen in den USA, Europa und Asien gezeigt. Sammlungen wie das Marta Herford Museum oder der Kunstsammlung Gera beherbergen Arbeiten. Der Kunstverein Hannover zeigte bereits 2010 eine Einzelausstellung von Matthias Bitzer.

Matthias Bitzers Arbeiten entwickeln jede auf eigene Weise eine Verbindung visueller „Koordinaten“, die den Blick des Betrachters durch verschiedene Schichten von Realität führen. Charakteristisch ist das Spiel zwischen Zwei- und Drei-Dimensionalität sowie die Auflösung der Grenzziehungen zwischen realem und fiktionalem Raum. Matthias Bitzers Collagen, Zeichnungen, Skulpturen und Malerei konstruieren mit abstrakten Patterns, figurativen und schriftlichen Fragmenten mehrere "Bilder", die letztendlich eine "absolute Wahrheit" verbergen.

Die neue Collage "Untitled" (2014) verbindet Fragmente von Fotografien, Katalogtexten, Skizzen und Zeichnungen. Die "Einzigartigkeit" der Versatzstücke unterschiedlicher Herkunft werden zu einem non-linearen, nicht hierarchischen Pattern verbunden. Je nach Blickwinkel erzeugt es die Konstruktion von Räumlichkeit. Die gesamte Oberfläche der Collage ist mit einer matten Epoxyd-Lackschicht überzogen, deren Haptik mit der Illusion von Malerei spielt, gleichzeitig "schwebt" die gesamte Collage circa 5 Zentimeter als Box vor der Wand, befestigt auf einen Träger. Ähnlich der literarischen Bewegung der Beat Generation der 1950er Jahre, die für die Auflösung tradierter Textformen, Versmaße sowie klarer Orts- und Zeitbezüge steht, befindet sich der Blick des Betrachters in mitten gleichzeitig statt findender Handlungsstränge.

Die mehrteilige Arbeit "Untitled (I)" verbindet mehrere wichtigen Elemente von Matthias Bitzers Werk: Collage, Malerei, Zeichnung und Text. Die Arbeit beginnt mit einer übermalten Collage eines geometrischen Patterns, gefolgt von einem monochromen schwarzen Rahmen, der sowohl den fiktiven als auch realen Raum spiegelt. Die darauf folgende Graphitzeichnung zeigt das Portrait des Verwandlungskünstlers Leopoldo Fregoli (1867-1936). Die Psychoanalyse spiegelt Fregolis Gabe in das umgekehrte Phänomen, sie bezeichnet mit dem Begriff "Fregoli-Syndrom" die subjektive Wahrnehmungsstörung, nach der mehrere Personen als ein und dieselbe Person – allerdings in Verkleidung – gesehen werden. Dem folgt eine übermalte Buchseite, die lediglich den Satz "Concept of spaces" frei lässt und wird gefolgt von der übermalten Fotografie, die an die unendliche Weite eines Kosmos erinnert.

Shannon Bool

Shannon Bool (CA 1972) ist aktuell in der Neupräsentation der Sammlung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München zu sehen. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen wie der Bundeskunstsammlung, Berlinische Galerie Landesmuseum für Moderne Kunst, der The National Gallery of Canada und der Fondazione Sandretto vertreten. Einzelausstellungen widmeten ihr die GAK Bremen sowie der Bonner Kunstverein und Frankfurter Kunstverein. Im Januar 2015 zeigt sie ihre Einzelausstellung in der Contemporary Art Gallery Vancouver.

Shannon Bool "collagiert" in ihren Fotogrammen, Skulpturen und Gemälden auf Seide verschiedene Einflüsse gesellschaftlicher Bedingungen auf Identität und deren Codes der Kommunikation. Die prozessuale Veränderung der Sicht auf die Dinge, die Verwandlung sowie Verschiebung von Wertigkeiten ist charakteristisch für Shannon Bool. Sie beschäftigt sich mit Rollenverständnissen, die durch feine Grenzziehungen zwischen dem gesellschaftlichen Blick von „außen“ und dem subjektiven Blick von „innen“ definiert werden. Die körperliche Geste spielt dabei ebenfalls eine große Rolle, insbesondere als Form und "Bild" von Tanz.

Die drei Fotogramme "Nadja", "Pastoral Analyst" und "Wooden Analyst" bilden ein Vexierspiel unterschiedlicher Perspektiven und Kulturkreisen. Die Fotogramme entstehen aus einer aufwendigen Collage positiver und negativer Transparentfolien die direkt auf das Fotopapier gelegt werden um das faktische Bild durch die direkte Belichtung der Collage auf dem Fotopapier zu erzeugen.
Dieses „Zeichnen, bzw. Malen mit Licht“ findet bei den aktuellen Fotogrammen als eine Collage von Design, Architektur und menschlicher Figur statt. Die Figuren sind den modernistischen Silhouetten der berühmten Mannequin-Puppen der französischen Firma Siegel entnommen, die in den 1920er Jahren die Haute Couture Modewelt eroberten. Gleichzeitig ersetzt Bool die Innenansicht mit architektonischen Fragmenten ornamentaler Artefakte aus Neu Guinea. Die Interieur-Ansichten entstammen dokumentarischen Fotografien der Siegel Puppen, die teilweise von Man Ray im "Pavilion d'Élegance" währen der Internationalen Ausstellung 1925 aufgenommen wurden. Dort wurden Modehäuser wie Lanvin, Poiret, aber auch dekorative Skulpturen von René Lalique präsentiert.

Benedikt Hipp

Benedikt Hipp (DE 1977) eröffnet am 16. Mai seine Einzelausstellung im Wilhelm-Hack Museum Ludwigshafen. Vorherige Einzelausstellungen waren zu sehen im Kunstverein Bielefeld, dem Kunstpalais Erlangen oder der Art Basel bei den Art Statements sowie in Gruppenausstellungen in der Schirn Frankfurt, CPAC - Musée d’Art Contemporain Bordeaux oder dem Kunstverein Hannover. Seine Position wurde 2012 in das Lexikon der Gegenwartskunst aufgenommen.

Benedikt Hipps Malerei, Papierarbeiten und Skulpturen spielen mit der kontinuierlichen Veränderung mentaler und räumlicher Koordinaten. Charakteristisch ist die Erweiterung des gemalten oder gezeichneten Bilds in den realen Raum mittels architektonischer Eingriffe oder Objekten. Er entwirft eine Archäologie des Jetzt und leitet daraus moderne Archetypen unserer Gesellschaft ab, die sich auf ein Grounding, ein gemeinsames Wissen berufen, um dieses sogleich wieder zu verlassen. Das Temporäre jeglichen Wissens und jeglicher Orientierung ist ein wesentlicher Aspekt im Werk von Hipp.

Er inszeniert historische, kulturelle oder rituelle Identitätsverge- wisserungen, die im Kontext heutiger gesellschaftlicher Individualisierungsprozesse immer nur vorläufig sein können. Diese Vorläufigkeit findet sich in seinen "Bildern" als Verbindung eines subtilen Spiels zwischen Sehen und VerbergenSchwarze Flächen können Sichtschutz, Fenster oder Spiegel sein.

Malerei und Zeichnung spielen auf das Gitter einer Landkarte an oder architektonische "Bühenelemente" und "Guckkästen" deuten Räumlichkeit an, deren Logik aber von den amorphen und geometrischen Elementen wieder aufgelöst wird. Figuren erzählen sie nie die individuelle Geschichte einer Persönlichkeit, sondern stehen vielmehr für das Bild einer condition humane deren Grundpfeiler kontinuierlichem Wechsel unterworfen sind.

Hipp überführt sie zu Erscheinungen zwischen menschlichem Wesen, Behausung oder Landschaft. Diese "Lücke" wiederum lässt den gedanklichen Handlungsspielraum. Markant sind bei Hipp auch die jeweiligen Titel der Arbeiten wie "The eye connection", "Topografisches Binnenbild (diffundierende Durchlässigkeit der großen Form)" oder "Selbstverhör and Selbstverseh", die als Wortspiele ein assoziatives Gedankenspiel einen Dialog eingehen mit dem "was man da eigentlich zu sehen meint".

Die aktuellen Papierarbeiten zeigen außerdem einen feinen Übergang vom Bild zum Objekt indem Benedikt Hipp das Innere des Rahmens mit einer feinen Papierkartonage ausschlägt, so dass die Bilder jeweils wie ein Kleinod "verwahrt" werden.

Natalie Czech

Natalie Czech (1976), die an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert hat, ist mittlerweile in zahlreichen Museumssammlungen vertreten wie dem Fotomuseum Winterthur, Pinakothek der Moderne München oder der Rubell Family Collection Miami. Sie wird dieses Jahr in Gruppenausstellungen wie im Museum Morsbroich ("More-Konzeption Conception Now") ausstellen. Vorherige Einzelausstellungen waren im Kunstverein Braunschweig, Kunstverein Hamburg, Palais de Tokyo Paris, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden oder dem Bonner Kunstverein zu sehen.

Im Grenzgebiet zwischen Dichtung und Bildender Kunst ist Natalie Czechs konzeptuelle Fotografie eine "Allegorie des Lesens". Czech liest bestehende Texte auf ein neues fotografisches "Bild" hin, sie sammelt darin Worte auf, deren Konstellation erst durch Markierungen als "Bild" und gleichzeitig als neuer Text sichtbar werden. Ausgangspunkt der Fotografien bildet gefundenes Material aus Magazinen, Tages- zeitungen, Büchern, iPad Ausgaben, Online-Texte oder E-Books auf Kindle-Readern und Natalie Czechs Sammlung existierender Gedichte zeitgenössischer Autoren sowie Sprachbilder der Konkreten Poesie. In einem akribischen, zeitaufwendigen, subjektiven Suchprozess findet Natalie Czech bestehende Gedichte in bestehendem Textmaterial und macht diese durch Markierungen sichtbar.

Die 5-teilige Arbeit „Il Pleut“ bezieht sich auf das gleichnamige Gedicht von Guillaume Apollinaire von 1918. Natalie Czech arbeitete mit fünf Autoren zusammen, die eine Geschichte oder Beobachtung verfassten, allerdings mit bestimmten Worten, so dass die Markierung des Konkreten Gedichts "Il Pleut" wieder möglich war und von Natalie Czech in Fotografie umgesetzt wurde.

In diesem Sinne entwickelt die Arbeit ein subtiles, erkenntnis- theoretisches Spiel. Denn das scheinbar gleiche Motiv ist niemals dasselbe, sondern trägt immer wieder eine andere Bedeutung hinter der scheinbar gleichen Oberfläche der Buchstaben und Markierungen.














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