Dani Gal
Hegemon
Düsseldorf, 17.03.2017 - 29.04.2017
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Pressemitteilung
Dani Gals Sound-, Film-, und Dia-Installationen manipulieren die ursprüngliche Logik von Erzählung und thematisieren die Differenz zwischen der „Wahrheit“ von medialer Vermittlung kollektiver Erinnerung und des subjektiven Empfindens. Viele seiner Performances und aufwendig produzierten Filme basieren auf der Wiederaufführung eines politischer Ereignisses durch professionelle
Schauspieler wie der auf der 54. Biennale in Venedig gezeigte Film "Nacht und Nebel2. Die besondere Beschäftigung Dani Gals mit gesprochener Erzählung zeigt auch die von ihm 2005 begonnene Sammlung von Langspielplatten mit historischen Reden verschiedenster Politiker und Radiosendungen, die mittlerweile auf über 500 Exemplare gewachsen ist. Nicht selten verbunden mit der Propaganda diktatorischer Regierungen waren solche Schallplatten bis in die 1980er Jahre ein populäres Medium für die Verbreitung politischer und historischer Inhalte. Die Sammlung dient als Basis für verschiedene Arbeiten, wie in der Live-Performance "voiceoverhead".

Für Dani Gals neuen Film "Hegemon" wird die Galerie in ein Kino umgebaut. "Hegemon" ist eine Dokumentation von unterschiedlichen Perspektiven auf die Strategien und Geschichte amerikanischer Außenpolitik. Der 80 Minuten lange Film wurde 2015/2016 in Washington gedreht und gewinnt vor der aktuellen politischen Lage zusätzlich an Bedeutung, der Film wurde vor der Wahl Donald Trumps fertig produziert. Für den Film beschreiben elf Experten der Außenpolitik aus Think Tanks, dem Militär und dem CIA ihre Perspektive auf die amerikanische Außenpolitik. Die Gespräche kreisen um Themen wie den Islam, die Militärindustrie, von Amerika geführte Kriege, Cyber Sicherheit und den Begriff der Freiheit. Gleichzeitig sieht man von Dani Gal gefilmte Szenen aus einem "gewöhnlichen" Alltag in Washington. Der Kamerablick ist gänzlich unhierarchisch und gibt den städtischen Baudenkmälern, der Natur und Menschen dieselbe Konzentration, ganz im Gegensatz zu den sonst üblichen "ikonischen" Repräsentationen der amerikanischen Hauptstadt in den Medien. In der Kombination der gegensätzlichen Interviewpartner und ihrer Meinungen zu den scheinbar unspektakulären Bildern des Alltags in Washington entsteht ein Fokus darauf, wie Wahrheit “gemacht” wird. Ist Amerika eine Hegemonialmacht oder bereits im Zerfall? Während des Filmdrehs wurden mit einem speziellen Gerät elektromagnetische Felder aufgenommen, die von Dani Gal subtil den einzelnen Szenen untergemischt werden und als filmische Metapher dienen für die "versteckten Kräfte, die das erzeugen, was "amerikanische Macht" heißt.

Das Sound-Objekt "Panama City, Christmas 1989" und die Schriftarbeit "Panama City, Christmas 1989, Supplement" beziehen sich auf einen "der" Schlüsselmomente amerikanischer Außenpolitik: die kurze Invasion auf Panama 1989 und die Ergreifung von General Noriega. Während der Weihnachtsfeiertage 1989 hatte sich Noriega in die Botschaft des Vatikans geflüchtet worauf hin das amerikanische Militär Lautsprecher installierte und die vatikanische Botschaft mit Songs wie Guns N'Roses "Welcome to the Jungle" oder Billy Idol's "Flesh of Fantasy" "zu dröhnte". Dieser Miltäreinsatz war die "Blaupause" für viele strategische Aspekte mit späteren Konflikten. Einer dieser Aspekte war der Umgang mit den Medien. 1989 riet Colin Powell, der zum damaligen Zeitpunkt Chief of Staff im Militär inne hatte:
"Once you've got all the forces moving and everything's being taken care of by the commanders, turn your attention to television because you can win the battle [and] lose the war if you don’t handle the story right." Auf dieses Kontrollbestreben nimmt die Fotografie "Throwback Thursday, Colin Powell" augenzwinkernd Bezug. Man sieht Powell wie er mit der Kamera ein Selbst-Portrait im Spiegel von sich aufnimmt und sich dadurch unbeabsichtigt in die Tradition der Selbstportraits von Künstlern wie Man Ray oder Andy Warhol setzt. Dani Gal "spiegelt" Powells Portrait wiederrum in ein "Selfie". Das vergoldete Schmuckstück "The Rime of the Ancient Mariner" ist die Replik eines Ansteck-Mikrofons wie man es in Dokumentarfilmen und Interviews verwendet. Das Objekt trägt den Titel eines Gedichts von Samuel Taylor Coleridge. Dieses Gedicht, daß die Erlebnisse eines zurück gekehrten Seefahrers schildert wurde von dem Holocaust Überlebenden Primo Levi als Beispiel genannt für die Notwendigkeit als Zeuge zu berichten für diejenigen, die es nicht mehr können. In diesem Sinn ist das Objekt eine Hommage an den Versuch die "Wahrheit einzufangen".














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