Natalie Czech / Ketty La Rocca / Inge Mahn / Mathilde Rosier
Kadel Willborn, Düsseldorf invited by Karin Guenther, Hamburg
News, 02.06.2017 - 15.07.2017
Ansichten
Pressemitteilung
Ketty La Rocca

Ketty La Rocca (1938–1976) gehört zu den wichtigsten Vertreterinnen der Konzept- und Performanzkunst in Italien aus den 1960er und 1970er Jahren. Ausgehend von der Visuellen Poesie hat sie sich in ihren Collagen, Performances und Fotografien radikal mit den gesellschaftspolitischen Limitierungen der Bedeutung von Sprache und Bild auseinandergesetzt.
Zentral ist die Beschäftigung mit der körperlichen Geste als "ursprüngliches Mittel der Kommunikation". La Roccas typografischen Skulpturen der späten 1960er Jahre, "i" (Ich) und "Virgole e Punti" (Komma und Punkte) übertragen dieses Spiel der Identität als "skulpturale Interpunktion" in den realen Raum.

Trotz, oder vielleicht wegen ihres frühen Todes 1976, hat Ketty La Rocca innerhalb von nur zehn Jahren ein Werk geschaffen, dessen Relevanz für die Gegenwartskunst unbestritten ist. Ihre
Arbeiten sind u.a. in renommierten Sammlungen wie dem Museum of Contemporary Art in Los
Angeles, Centre Pompidou, Galleria Nazionale d´Arte Moderna Roma dem Museum Ostwall in Dortmund, dem ZKM Karlsruhe oder der Galleria degli Uffizi in Florenz vertreten. Bereits zu Lebzeiten und bis jetzt werden ihre Arbeiten in Institutionen wie der Biennale di Venezia (1972), dem Camden Arts Centre London (1972), dem Museum Ostwall (1974), dem Fotomuseum Winterthur (1987), der Galerie im Taxispalais Innsbruck (2003), dem MoMA/PS1 New York (2007), Albertina in Vienna (2012), Kunsthalle Baden-Baden (2015), Kunsthalle Hamburg (2015), Kunstmuseum Krefeld (2016) oder La Virreina in Barcelona (2017) gezeigt.


Mathilde Rosier


Mathilde Rosier verlässt in ihrem Werk das sichere Terrain verbaler Rationalität hin zu einem Verstehen von Welt durch körperliche Erfahrung. In ihren Filmen, Performances, Installationen und Gemälden werden Geschichten durch Tanz und Musik "erzählt". Rosiers Arbeiten sind durch internationale Ausstellungen bekannt. Einzelausstellungen und Performances fanden statt im Museum Jeu de Paume Paris (kuratiert von Elena Filipovic), dem Camden Arts Center London, der Serpentine Gallery London, dem Kunstverein Hannover oder dem Kunst Institut Basel (kuratiert von Chus Martinez). Werke von ihr sind in den Sammlungen der Kadist Foundation und dem Museum Abteiberg vertreten.

Mathilde Rosiers Film "Loose Alphabet" und die Malerei "In Revolution (the Alphabet)" entstanden in Marthare, Kenia. Auf Einladung der Razem Pamoja Foundation, die dort in den Slums einen Ausstellungsraum hat, produzierte Rosier in Zusammenarbeit mit lokalen Schneidern Kostüme, die dann von lokalen Tänzern für die Performance getragen wurden. Arbeiten aus dieser Serie wurden dann im Juni 2016 in Mathilde Rosiers Einzelausstellung im Kunst Institut Basel in der Schweiz gezeigt. Die Kuratorin Chus Martinez veröffentlicht zu diesem Anlass mit Sternberg Press eine Publikation. Der Film "Loose Alphabet" und die Malerei "In Revolution (the Alphabet)" spielen mit unserem kollektiven Wissen kultureller Symbole und Erzählungen, die aber sprichwörtlich "auf den Kopf" gestellt werden. Sowohl im Film als auch in der Malerei, stehen die Tänzer auf dem Kopf. Mathilde Rosier dazu: Every figurative image tents to tell a story and every costume carries also a narration for the body which wears it. Upside down, the power of the image and the power of the costume do not rely anymore on the representation, it quickly becomes abstract. According to neurosciences, the analytical brain, or the "verbal" brain, cannot sustain an upside down image too long, it has to pass on the task to the intuitive part of the brain which can deal with the information. For the upside down image to be accepted , we have to give up the will to grasp it intellectually. So, confronted to an upside down representation, the intellect is silent. And this is what I want to reach in the viewer. By working with upside down images, there happens a renouncing of representation as a form of narration. It is like a short story that does not make sense, that one can only understand when one gives up the will to understand.

Inge Mahn

Inge Mahns skulpturales Werk entwickelt sich seit den 1970er Jahren aus bildhaften Projektionen der alltäglichen Dingwelt. Ihre Plastiken gründen auf der Thematisierung grundlegender zwischenmenschlicher Handlungen in deren sozialem Kontext. Die Materialität von weißem Gips und die veränderten Größenverhältnissen entheben die Motive aus der Alltäglichkeit, führen zu ihrer Verfremdung und setzen Gedankenprozesse in Gang. Mahns Plastiken sind subversive Gestalten, die das Nicht-Gesagte, das Ausgeschlossene, das Beängstigende und Verrückte nach Außen kommunizieren. "Die Schaukel" (1978) gehört zu Inge Mahns Stuhlgruppe und zeigt das Potential zwischenmenschlicher Interaktionen. "Die Schaukel" hängt leicht erhöht als spielerischer Beobachtungsort und entzieht sich der "herrschenden" Ordnung des "da unten". Sie tritt singulär auf, gleichzeitig bietet sie potentiell an "Platz zu nehmen". Mit der "Last" eines zweiten "Gegenübers" wird sie ins Wanken geraten, aber am Ende sicher in die Balance zurück finden.

Inge Mahn war bereits 1972 als Meisterschülerin von Joseph Beuys Teilnehmerin auf der von Harald Szeemann kuratierten documenta 5 in der Abteilung "Individuelle Mythologien". Ihre internationale Karriere setzte sie in den 1970er Jahren kontinuierlich fort, zeigte Einzelausstellungen beispielsweise im Tranegarden Kopenhagen (1976), im Kunstmuseum Düsseldorf (1980), im PS 1 New York (1981), im Lenbachhaus München (1983), im Künstlerhaus Bethanien Berlin (1985) im Württembergischen Kunstverein Stuttgart (1990), Kunstverein Braunschweig und K21 Kunstsammlung Norrhein-Westfalen Düsseldorf (beide 2017).Ihre Arbeiten sind in Museumsammlungen vertreten wie dem Hamburger Bahnhof Berlin, Kunsthalle Helsinki, Kunstmuseum Düsseldorf oder Hirshorn Museum Washington.

Natalie Czech

Natalie Czechs konzeptuelle Fotografie "kuratiert" sprichwörtlich bestehende Bilder und Texte in Dialog zueinander. Die gleichzeitige Handlung des "Lesens" und "Betrachtens" enthüllt dabei die Vielschichtigkeit der Interpretation von Bedeutung, von dem "was man zu sehen, beziehungsweise zu verstehen" glaubt. Die neuen Arbeiten der Serie Poems by Repetition setzen die 2013 begonnene Serie fort und beginnen gleichzeitig ein subtiles Spiel mit der Interpretation von Icons, Symbolen, Slogans und bestehenden Gedichten des 21. und 20. Jahrhunderts die vom stilistischen Prinzip der Wiederholung charakterisiert sind. Auf Verpackungen und Produktspezifikation elektronischer Warengüter, Schallplattenhüllen oder Werbeartikeln "findet" Natalie Czech Gedichte von Vsevolod Nekrasov, Charles Bernstein oder Tom Raworth und macht diese durch Markierungen "lesbar". Die von Natalie Czech verwendeten Mittel der fotografischen Reproduktion ähneln den rhetorischen Wiederholungen der Dichter beim Schreiben. Die je nach Gedicht spezifische Eigenart einer Wiederholung übersetzt Czech in die Anzahl der einzelnen Fotografien einer Arbeit. Mal fotografiert sie die Ausgangsbilder mehrmals ab, mit verändertem Ausschnitt, Belichtungszeit oder Formatgröße. Die durch Markierung sichtbar gemachten Gedichte nehmen dabei nicht nur Bezug auf den umliegenden Originaltext und das Produkt selbst, sondern treten auch in einen spielerisch assoziativen Dialog zu den ursprünglich dargestellten Symbolen, Icons und Slogans und deren vermeintlicher Bedeutung.

Natalie Czechs Arbeiten sind in Museumssammlungen vertreten wie der Pinakothek der Moderne München, dem Fotomuseum Winterthur oder MoMA New York und sind einem interationalen Publikum durch Austellungen bekannt wie im Heidelberger Kunstverein (2017), CRAC d’Alsace (2016), Palais de Tokyo Paris (2014), Kunstverein Hamburg (2013) oder Ludlow 38 New York (2012). Ihre sind in internationen Gruppenausstellungen vertreten wie aktuell in "Art and Alphabet", Kunsthalle Hamburg (2017) oder u.a. "New Photography", Museum of Modern Art in New York (2015/16) oder "No Man’s Land", Rubell Family Collection (2015).














The software you are using to view this site does not support the XHTML 1.0 Transitional specification.
Please ignore the content beyond this writing.
The essential functioning of the site is not diminished through the use of older software.