Art & Language
Opening: 17.11., 6-9 pm
Düsseldorf, 17.11.2017 - 05.01.2018
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Pressemitteilung
Art & Language stehen seit ihrer Gründung 1968 für eine kritische Hinterfragung der Konventionen künstlerischer Praxis und gilt als eine der "Protagonisten" von Konzeptkunst. Während viele andere Vertreter der Konzeptkunst sich allerdings komplett der Skulptur und Malerei verweigern, beginnen Art & Language ab 1975 mit der kritischen Integration dieser Gattungen in ihr Werk, denn wie der Kunsttheoretiker Charles Harrison es in Bezug auf die Arbeitsweise von Art & Language formulierte: There should be no 'You can't walk there, it's off the map!' Das Werk von Art & Language umfasst Performances, Konzerte, Malerei, Texte, Zeichnung oder Skulptur und ist charakterisiert durch verschiedene Kollaborationen wie der Zusammenarbeit mit dem Kunstkritiker Charles Harrison, der Avantgarde Rock Band The Red Krayola oder der Performance Gruppe The Jackson Pollock Bar. Charakteristisch für alle Werke von Art & Language ist die Strategie des "Indexings", die als "autopoetisches System" einen endlosen Dialog zwischen allen Beteiligten generiert: verschiedenen Werkgruppen von Art & Language, unterschiedlichen Konventionen Kunst zu produzieren und zu betrachten, Konzeptionen über den Künstler, Autor und Originalität. Während ihres Werkprozess "hacken" Art & Language sich sprichwörtlich in die verschiedene Systeme von Kunstauffassung und-Produktion ein und lassen diese in ihren Kunstwerken in verschiedenen "Verkleidungen" auftauchen und wieder verschwinden, was nicht zuletzt auch von der Interpretation des Betrachters abhängt.

Die Installation "Now They Are I" besteht aus 144 flächig hinter Glas gerahmten Textseiten, die teilweise mit einem oder mehreren Portraits überzeichnet sind. Die Texte sind alle von Art & Language verfasst, die in Magazinen oder Kunstpublikationen veröffentlicht worden. Waren bei der 1972 auf der documenta 5 gezeigten Installatiom "Index 01" die Texte in Aktenschränken teilweise "verborgen", sind es bei "Now They Are I" die darüber gezeichneten Portraits, die ein vollständiges Lesen unmöglich machen. Man kann "Now They Are I" als "Portrait Index" von Art & Language sehen. Die Portraitzeichnungen folgen einer bestimmten grammatikalischen Logik. Denn nur wenn eine Person tatsächlicher Inhalt ganzer Sätze ist, wird ein Portrait gezeichnet. Die 2010 entstandene Installation "Potraits and Dreams" wiederum basierte auf der neurowissenschaftlichen Erkenntnis, dass die Nennung eines Namens denselben Effekt haben kann wie das tatsächliche Zeigen eines Portraits. "Now They Are I" verbindet beide Aspekte, denn wenn bereits die Texte ein "Portrait" sind, was sind dann die gezeichneten Bilder? Die Portraits zeigen Personen, oder manchmal auch Comicfiguren wie beispielsweise Tom und Jerry, der Soziologe Niklas Luhmann, der Künstler Marcel Duchamp, die Sängerinnen des von Art & Language und The Red Crayola verfassten Songs "Four Stars" Sandie Yang und Elisa Randazzo, die Kunstkritikerin Rosalind Krauss oder sogar Art & Language selbst. Während bei den meisten Seiten eine Überschrift angibt wieviele Potraits zu sehen sind, führt bei manchen Seiten die Überschrift "There are many portraits on this page" in die verborgenen Subtexte des tatsächlich sichtbaren Texts. Denn man sieht scheinbar nur ein einzigstes Portrait. Tatsächlich handelt es sich hierbei um "gemorphte" Portraits aus vielen Persönlichkeiten auf die der jeweilige Text als "soziale Gruppe" anspielt, ohne sie direkt zu nennen. "Now They Are I" spielt mit mit einer Vielzahl möglicher Beziehungen zwischen eine Person benennen, beschreiben oder abzubilden, metaphorisch oder sprichwörtlich. Je nach Blickpunkt werden die 144 gerahmten Papiere zu einem Gitter-artigen Muster in dem die Portraits "positioniert" sind oder man sieht die durch die Portraits verdeckten Texte als "Textbild", das man eventuell in Fragmenten liest. Der Betrachter wird zum Leser und umgekehrt, nicht zuletzt auch um die "Identitäten" der Portraits zu dechiffrieren, die man nicht sofort erkennt.
Ebenso wie das Portrait eine der Hauptgattung innerhalb der Kunst ist, repräsentiert Landschaftsmalerei, je nach historischen Kontext, unterschiedliche gesellschaftliche Werte und Mythen.
1989 beschrieben Art & Language in einem Text eine Landschaftsmalerei, die sie irgendwann in der Zukunft ausführen würden. Der Text beschrieb eine Landschaft nahe ihres Studios in Oxfordshire. Die aktuellen drei neuen Gemälde "Lovely Hostages" sind Teil von Art & Languages Gemälde Serie "Hostage", die 1990 begann und unter anderem im Institute of Contemporary Art ausgestellt wurde. Während die früheren Arbeiten der Serie ausschließlich in großen Hochformaten produziert wurden und alle mehrere Pappelbäume am Rande eines Felds zeigten, sind die "Lovely Hostages" in einem quadratischen Format und zeigen jeweils zentriert einen Baum. Die Bäume befinden sich alle in der Nähe von Art & Languages Studio. Diese ikonische Darstellung eines einzigen Baums spielt nun eher mit figurativen Assoziationen eines Portraits, als mit den Konventionen von Landschaftsmalerei. Gleichzeitig wird ebenso wie bei den vorherigen Arbeiten der "Hostages" diese "ikonische Sicht" durch den Einsatz pastoser abstrakter Farbschlieren "versperrt". Verstärkt durch die direkt auf das Bild montierte Glasfläche, die faktisch an der Entstehung der abstrakten Farbschlieren beteiligt ist, befindet man sich als Betrachter unweigerlich in einem Spiel der Desorientierung zwischen Form und Inhalt, Oberfläche und Raum, Illusion und Realität. In diesem Sinn "funktionieren" die Hostage Paintings wie eine "Collage" verschiedener Auffassungen von und zur Malerei.

Seit 1977 bilden Michael Baldwin und Mel Ramsden die Künstlergruppe Art & Language. Sie leben und arbeiten in Middleton Cheney, UK. Art & Language hat an mehreren documenta Ausstellungen teilgenommen, documenta 5, documenta 7 und documenta 10. Wichtige Einzelausstellungen umfassen Museu d'Art Contemporary de Barcelona (MACBA), Barcelona, Spain (2014); Museum Dhondt-Dhaenens, Deurle, Belgium (2013); Migros Museum für Gegenwartskunst, Zurich, Switzerland (2012); Espoo Museum of Modern Art, Espoo, Finland (2009); Centro De Arte Contemporáneo (CAC) Málaga, Spain (2004); MoMA PS1, New York, USA (1999); ICA, London, UK (1991); Tate Gallery, London, UK (1985); Musée d’Art Moderne, Toulon, France (1982) and Museum of Modern Oxford (1974). Arbeiten von Art & Language sind in zahlreichen Museumssammlungen vertreten wie The Tate Gallery London, Museum of Modern Art New York, The Centre Pompidou Paris, Museum Moderner Kunst Wien, Museu d'Art Contemporani Barcelona, The Museum of Contemporary Art Los Angeles, Städelmuseum Frankfurt oder das Migrosmuseum Zürich, um nur einige zu nennen.














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