Natalie Czech
if someone came up and started talking a poem at you how would you know it was a poem?* || DC Open | Opening: 7.9., 6-10 pm
Düsseldorf, 08.09.2018 - 27.10.2018
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Pressemitteilung
Natalie Czechs (DE 1976) konzeptuelle Fotografie verbindet bestehende Bilder und Texte zu einem neuen Dialog. Mit feinsinnigen Adaptionen von Aspekten der Pop- und Konzeptkunst spielt sie augenzwinkernd mit der "Macht der Bilder" und "Bedeutung zwischen den Textzeilen". Natalie Czechs neue Serien "Poet's Questions" und "Negative Calligrammes"loten die Potenzialität bild- und schriftsprachlicher Zeichen aus. Mittels Markierungen in Text und Bild wird "buchstäblich" und "bildhaft" eine versteckte Poesie im Alltäglichen sicht- und lesbar gemacht.

Natalie Czechs Werk ist durch internationale Einzelausstellungen bekannt, wie in der CRAC d'Alsace (2016), Palais de Tokyo Paris (2014), Kunstverein Hamburg (2013) oder Ludlow 38 New York (2012). Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, wie "Art and Alphabet", Kunsthalle Hamburg (2017); "New Photography", Museum of Modern Art in New York (2015/16) oder "No Man's Land", Rubell Family Collection (2015) und sind in Museumssammlungen vertreten wie der Pinakothek der Moderne München, Fotomuseum Winterthur, Museum of Modern Art New York oder der Bundeskunstsammlung.

Die Poet's Questions basieren auf Fragen, die Natalie Czech aus bestehenden Gedichten von Autoren wie Lev Rubinstein, Robert Grenier oder Charles Bernstein als einzelne Textzeile isoliert hat. Diese Fragen werden in Czechs Fotografien mit alltäglichen Gegenständen wie Papierpackungen oder Schallplatten in einen Dialog gesetzt. Der jeweilige Originaltext auf den Objekten ist dabei "Fundus" der benötigen Buchstaben zum Schreiben der Poet's Questions. Jedem Motiv der Poet's Questions geht eine akribische und Zeit intensive Recherche voraus, denn basierend auf dem Konzept eines Anagramms muss der jeweilige Originaltext alle benötigten Buchstaben enthalten. Die verwendeten Buchstaben werden als Markierung durchgestrichen, "überflüssige" Worte auf den Objekten übermalt oder weg radiert. Das erneute "Schreiben" der Fragen wird von Czech mit unterschiedlichsten Mitteln wie Scrabble Steinen, dem Tonband einer Kassette oder Handschrift als Bild dargestellt. Das fotografisch inszenierte Objekt gibt in Dialog mit der jeweiligen Frage scheinbar eine Antwort, die jedoch eine Kaskade neuer Fragen assoziieren lässt. Die Poet’s Questions eröffnen einen endlosen "poetischen Raum" worin das potenziell Sagbare in der Codierung von buchstäblichen und bildhaften Zeichen kontinuierlich auf- und abtaucht.
Die Arbeit "A poet's question by Charles Bernstein (Cassette / Loved Ones), (Do hearts break if you don’t touch them aabcdeefhhhikmnoooorrsttttuy)" beispielsweise verbindet Charles Bernsteins Frage "Do hearts break if you don't touch them?" mit dem Motiv der Musikkassette "IbMePdErRoIoAmL (Imperial Bedroom)" der Band Elvis Costello & The Attractions von 1982. Natalie Czech "schreibt" mit dem faktisch aus der Kassette heraus gezogenen Tonband erneut Bernsteins Frage. Alle, für die Frage nicht verwendeten Worte, sind wegradiert mit der Ausnahme der drei ganzen Wörter: Loved Ones. Beat, die zum "bildhaften" Gegenüber der Frage werden.

In Natalie Czechs zweiter neuen Serie Negative Calligrammes zeichnet sprichwörtlich die Leere zwischen den Wörtern und Zeilen das jeweilige Bild. In Anspielung auf die Figurengedichte Konkreter Poesie und Mail Art sind es nicht die Schriftzeichen oder sich wiederholende Wortgruppen, die das Bild konstruieren, sondern der negative Raum zwischen den einzelnen Worten eigenständiger Texte. Diese Texte sind das Resultat von Natalie Czechs Zusammenarbeit mit internationalen Autoren wie Julien Bismuth, Robert Fitterman, Lucy Ives, Shiv Kotecha, Quinn Latimer und John Holten. Alle erhielten von Natalie Czech vorab ein Dokument das als "Schablone" für ihren jeweils individuell verfassten Text diente, anhand dessen sie sehen konnten an welche Positionen Leerstellen bleiben mussten, ohne aber die Rechtschreibung zu beeinflussen. Alle Texte sind in Ich-Form verfasst. Sie erwecken den Eindruck sehr persönlicher oder autobiografischer Erzählungen und reflektieren gleichzeitig poetisch die Eigenheiten von Sprache, Schreiben und Lesen. Die Texte wurden von den Autoren an Natalie Czech als E-Mail gesendet, die dann von ihr ausgedruckt wurden. Die vorher jeweils festgelegte Silhouette machte sie mittels farbiger Zeichnung als Bild sichtbar. Man sieht räumliche Begrenzungen wie eine Mauer, Jalousie und Zaun oder kollaborative Handlungen wie Kochen und Putzen. Die Perspektive und Gewichtung zwischen Text und Bild wechselt kontinuierlich. Mit der spielerischen Leichtigkeit eines Flip Books reflektiert die fotografische Inszenierung der Serie ihren eigenen Entstehungsprozess: ein Blatt wird auf das Nächste gelegt, ein neues Bild wird gemalt und fotografiert, auf dieses Blatt wird wieder ein neues Blatt gelegt auf dem eine weitere Silhouette gemalt wird, dieses wird erneut fotografiert. Gleichzeitig wird dabei poetisch eine Meta-Erzählung über das Bilder machen und sehen an sich gezeigt, indem die finalen Motive als präzise Komposition entstehen. Die Negative Calligrammes verbinden eine der Pop Art ähnlichen Direktheit mit der für Konzeptkunst charakteristischen Serialität und machen so die im Alltag versteckte Poesie sicht- und lesbar.

Oder wie Natalie Czech fragt: Wann begegnen wir Poesie oder einem Gedicht? Wann ist oder wird etwas zu Poesie? Kann ein Eingriff oder eine Handlung bereits Poesie hervorrufen? Ist ein Satz oder eine Frage aus einem Gedicht auch schon Poesie? Kann ein Bild Poesie sein und wenn ja, wann sind wir uns dessen sicher? Wissen wir, wenn wir auf Poesie oder ein Gedicht treffen, ohne dass es uns gesagt wird und wir es nicht in einem Gedichtband lesen?

*[David Antin]














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